Widerspruch GdB, Merkzeichen und Mythen

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Unten im Beitrag findest du weiterführende Links.

Mitte Februar habe ich meinen Schwerbehindertenausweis GdB 50 erhalten. Große Freude. Leider ohne Merkzeichen aG/G. Das Merkzeichen ist für mich wichtig, da ich keine weiten Strecken mehr laufen kann und langes Stehen nicht mehr funktioniert. 

Mit dem Merkzeichen aG/G hätte ich Anspruch auf Erstattung von Taxikosten für Fahrten zum Arzt. Oft wird automatisch das B dazu gewährt.

Info meiner Krankenkasse

„Wir übernehmen die Kosten, wenn die Fahrten zwingend medizinisch notwendig sind und mit einer unserer Leistungen zusammenhängen. Außerdem muss es sich um die nächsterreichbare Einrichtung handeln oder Ihr Arzt überweist Sie zu einem weiter entfernten Ort. Sie tragen nur die gesetzliche Zuzahlung.“

Was ist, wenn ich kein Auto fahren kann? Werden die Kosten für ein Taxi übernommen?

„Dies ist leider nicht möglich. Wir übernehmen die Fahrtkosten nur in besonderen Ausnahmefällen. Ihr Arzt entscheidet, ob bei Ihnen eine solche Ausnahme vorliegt und verordnet die Fahrt. Die Verordnung senden Sie uns zu, da sie vorher genehmigt werden muss.“

In meinem Fall besteht solch eine Ausnahme. Brain Fog ist nicht die Beste Voraussetzung, um ein Fahrzeug zu bewegen. Außerdem sind vor Praxen selten Parkplätze und ich muss weite Wege zurücklegen. Mein Hausarzt und ich haben es schon einmal versucht. Ablehnung wegen fehlendem Merkzeichen aG/G.

Da stand ich nun mit meinem Bescheid. Einerseits Freude, andererseits hmmmm, dass wichtige aG/G fehlt.

Nur nichts riskieren

In vielen Foren und Gruppen ploppt immer wieder auf, dass es besser ist, keinen Widerspruch einzulegen. Begründung: Es könne passieren, dass man wieder heruntergestuft wird. Aus diesem Grund halten viele Erkrankte die Füße still, stellen keinen Änderungsantrag oder legen keinen Widerspruch ein.

Mit diesem Gedanken habe ich den Bescheid auf die Seite gelegt. Nur nichts riskieren. Immerhin GdB 50 beim ersten Durchlauf unter Berücksichtigung von  ME/CFS und Fibromyalgie.

Ein Anruf bei meinem Hausarzt und seinem GO: „Wir unterstützen Sie.“ Raus mit dem Schreiben. Einwurfeinschreiben. Mittlerweile kann man prima auch Einschreiben online frankieren. Meine Zustellerin nimmt meine Post mit, wenn ich es nicht zum Briefkasten schaffe.

Was hat mich final dazu bewegt? Warum es sich lohnt?

Ein Telefonat mit meiner Schwester:

„Wenn aktuell der GdB mit 50 eingestuft wurde, kann innerhalb von ein paar Tagen nach Eingang des Bescheides und versenden des Widerspruchs keine wesentliche Besserung eingetreten sein. Die „Gefahr“ ist nach einem halben Jahr größer, wenn du dann einen Änderungsantrag stellst.

In dieser Zeit kann viel passieren, auch wenn es im Moment unwirklich erscheint.  

Unumstritten steht es den Ämtern frei, auf Grund von Aktenlage, ohne dein Zutun deinen GdB nach unten zu bewerten. Aber wohl kaum ein paar Tage nach ihrer Entscheidung.

Da ich mit dem VdK hier vor Ort leider keine positiven Erfahrungen habe, habe ich im vergangenen Jahr noch eine Rechtschutzversicherung abgeschlossen, da ich zu diesem Zeitpunkt noch in keinem laufenden Verfahren war.

Wenn du noch die (finanzielle) Möglichkeit hast, achte darauf, dass das Widerspruchs-verfahren mitabgedeckt ist. Das ist nicht bei jedem Vertrag selbstverständlich.

Nur Mut für einen Widerspruch bei GdB. Wenn dann gleich und nicht erst Monate oder Jahre später. Dein Bescheid bewertet deine aktuelle Gesundheit und Teilhabe am Leben. Keine Frage, es ist immer eine individuelle und persönliche Entscheidung. Hast du Angst vor dem vermeintlichen Risiko usw.?

Suche dir Unterstützung. Neben dem VdK gibt es auch den SoVD. Leider ist die Qualität der Beratung von Region zu Region stark schwankend. Gewerkschaften unterstützen dich auch, falls du Mitglied bist.

Ich berichte, wenn ich mehr weiß. Aber das dauert bekanntlicherweise.

Im nächsten Beitrag geht es darum, warum mir das Merkzeichen G abgelehnt wurde und warum es wichtig ist, seine Berichte sehr genau zu lesen oder lesen zu lassen.

Bleib posimistisch 😊

Alles Liebe deine Ela

Alle Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen und meinen Erfahrungen zusammengestellt, die ich mit euch teile. Es gibt keinen Anspruch auf medizinische oder rechtliche Richtigkeit. Jede Haftung, Rechts- und Schadensersatzansprüche mir gegenüber sind ausgeschlossen.

 Bild: Windows Office Creative Common

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Ich bin Ela. Seit 2020 lebe ich mit den Diagnosen ME/CFS, Fibromyalgie, hEDS (Ehler-Danlos-Syndrom, hypermobilität) und seit Jahrzehnten mit den Lebensmittelintoleranzen Lactose, Fructose und Histamin.

Mit diesem Blog möchte ich dir hilfreiche Tipps und wertvolle Informationen für dein Leben mit der Diagnose ME/CFS mitgeben.

Alles Liebe deine Ela

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